Alfons Schweiggert

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Alfons Schweiggert

Beitrag  Maschenbauer am Di Nov 15, 2011 5:09 pm

Am Freitag, den 11.11.11 war es endlich so weit, Alfons Schweiggert kam nach Augsburg, um eine Lesung zu halten. Alfons Schweiggert, der hauptberuflich nicht etwa Historiker sondern Institutsrektor am Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung in München ist, hat in den letzten 25 Jahren eine Vielzahl an Büchern über Ludwig II. (und auch über Karl Valentin) geschrieben.

Anlass für seinen Auftritt war die Vorstellung seines neues Buches: "Ludwig II. - Ein König zwischen Gerücht und Wahrheit"

Was mir als erstes auffiel: Entgegen sonstigen Gepflogenheiten bei Autorenlesungen saß Alfons Schweiggert bereits mindestens 15 Minuten vor Beginn der Veranstaltung an seinem Rednerpult und wartete zusammen mit seinem Publikum geduldig auf den Beginn der Veranstaltung. Er ist ein sehr netter, lockerer Typ ohne Starallüren.
Die Veranstaltungs selbst lief mit ca. 25 Personen eher familiär ab. Das Publikum war sehr interessiert und um das Klischee zu erfüllen: Ja, es kam auch jemand in Trachtenjanker und mit Gamsbart-Hut.

Zu Beginn seines Vortrages ging Schweiggert zunächst ganz gezielt auf das gestrige Datum ein und erzählte, dass an einem 11.11. Richard Wagner zu Gast bei Ludwig II. in Hohenschwangau war und der Komponist für den König einen Morgengruß inszenierte, der von Bläsern von den Türmen des Schlosses vorgetragen wurde.
Dann widmete er sich zunächst Augsburg, erzählte vom Grab von Ludwigs Kindermädchen auf dem Hermannfriedhof, von dem Relief am Luitpoldbrunnen, dass König Ludwig zeigt sowie von des Königs 15-Minütigen Aufenthalts am Bahnhof Augsburg, am Ende seiner triumphalen Reise durch Franken im Jahr 1866. Damals empfing er u.a. den 1. Bürgermeister von Augsburg sowie einen in Augsburg wohnenden Bruder der Kaiserin Elisabeth von Österreich.
Zuguterletzt erinnerte er an den Verein Augsburger Königstreuer.

Nun begann der eigentliche Vortrag, nämlich die Vorstellung seines neuen Buches. Darin befasst sich der Autor mit der Aufarbeitung von 125 Gerüchten und provokanten Thesen. Ein sehr ehrgeiziges, meiner Meinung nach aber gut gelungenes Projekt.
Schweiggert befasste sich mit drei Themen aus seinem Werk: Mit der Beziehung Ludwigs II. zu der Bildhauerin Elisabeth Ney, mit den Separatvorstellungen für Ludwig II. und natürlich dessen geheimnisvollen Tod.

Elisabeth Ney
Hier schilderte er, wie es der Bildhauerin gelang, den menschenscheuen König zum Modellstehen für ein Standbild zu bewegen. Hier sei nur gesagt, dass sie den Mann ziemlich gut durchschaut hat, und genau die richtigen Knöpfe gedrückt hat.
Er geht auch auf die Gerüchte ein, Elisabeth Ney hätte ein Kind von ihm bekommen sowie auf die Behauptungen anderer Menschen, Nachfahren von Ludwig II. zu sein.

Separatvorstellungen
Ab 1871 ließ der König zahlreiche Separatvorstellungen für sich abhalten, in denen er der einzige Zuschauer im Theater war. Schweiggert erzählte, wie es dazu kam. Der König wollte sich während der Vorstellung nicht ständig von wildfremden Leuten begaffen lassen. Schweiggert wies zurecht daraufhin, dass wir heute, wenn wie Fernsehschauen, im Grunde auch nichts anderes tun.

Der geheimnisvolle Tod es Königs
Schweiggert macht keinen Hehl aus seiner eigenen Theorie. Seiner Meinung nach sind König und Arzt von einem der im Schlosspark postierten Gendarmen erschossen worden. Die Gendarmen seien überhaupt nicht über den Spaziergang des Königs informiert gewesen. Einer der Gendarmen hätte dann auf den König und seinen Arzt geschossen, weil er die beiden für Eindringlinge gehalten habe.
Die Schlossbediensteten, die damals an der Suche und Auffindung des Königs beteiligt waren, seien alle nach München beordert worden und mussten dort auf die Bibel schwören, niemals, auch nicht auf dem Sterbebett, über die Geschehnisse in jener Nacht zu sprechen. Viele von ihnen seien wenig später verschwunden, gestorben oder plötzlich zu viel Geld gekommen.

Nun folgte der spanndere Teil des Abend. Hatte Schweiggert bisher hauptsächlich vorgelesen so konnten nun Fragen gestellt werden, die der Autor in freier Rede beantwortete und damit zeigte, dass er tatsächlich über profundes Wissen über Ludwig II. verfügt.

Bei dieser Fragesstunde war u.a. das auch hier vorgestellete Triptychon Thema, auf dem angeblich der sterbende König mit seinem ehemaligen Leibarzt und seinem Stallmeister Hornig zu sehen ist. Schweiggert ist da skeptisch. Ihn verwundert, dass das Bild so lange Zeit kein Thema war und dass der derzeitige Besitzer nicht greifbar ist.

Dann erzählte Schweiggert von seinem Münchner Schriftstellerkollegen Jean Louis Schlim, dessen Ludwig-Sammlung ein ganzes Haus füllt.

Natürlich kam auch das legendäre letzte Hemd Ludwigs mit den beiden Einschusslöchern zu Sprache. Hierzu merkte Schweiggert an, dass er es nicht für realistisch hält, dass dieses noch bis in die 1930er Jahre aufbewahrt worden sein soll, bevor man es dann angeblich in Nymphenburg verbrannt hat. Seiner Meinung nach wäre es doch viel naheliegender gewesen, das Hemd vor seiner Vernichtung nicht erst längere Zeit aufzubewahren. An dieser Stelle kam er auch auf die Recherche-Technik seines Berliner Schriftstellerkollegen Peter Glowasz zu sprechen. "Ich kann natürlich zu Herrn Glowasz gehen und sagen: 'Ich habe einmal dieses oder jenes gesehen" Dann gebe ich dazu noch eine eidesstattliche Versicherung ab, und schon wieder gibt es einen "Beweis" mehr! Aber stimmt das dann deshalb auch wirkich?"

Auch die sog. Holzschuh-Briefe kamen in der Diskussion zur Sprache. Diese hat vor 10 Jahren ein Rechtsanwalt für viel Geld ersteigert. Ludwig II. soll diese Briefe an seinen Vertrauten Karl Hesselschwerdt geschrieben haben. Es geht darin um die Anwerbung neuer Diener sowie um die Möglichkeiten, Geld für seine Schlossprojekte aufzutreiben. Holzschuh, der wie gesagt, weder Historiker, noch Psychiater noch ausgewiesener Ludig-Kenner ist, sieht darin Zeugnisse der fortschreitenden geistigen Zerrüttung des Königs.
Schwaiggert zweifelt die Echtheit dieser Briefe an. Nach seinen Erkenntnissen soll es damals jemanden gegeben haben, der die Handschrift Ludwigs II. sehr gut nachmachen konnte. Allein mit dieser Tatsache kann man in seinen Augen die Echtheit dieser Briefe in Frage stel- len.
Nach Robert Holzschuh sind diese Briefe auch ein Beweis dafür, dass Ludwig II. schwul war.
Diese sexuelle Orientierung des Königs stellt Alfons Schweiggert gar nicht in Abrede sondern ist vielmehr der Meinung, dass man die Persönlichkeit des Königs nur erfassen könne, wenn man auch seine Sexualität dabei berücksichtigt.

Zum Abschluss ging Alfons Schweiggert noch auf das neue Museum in Hohenschwangau ein. Herzog Franz, der Chef des Hauses Wittelsbach sei die "Ludwigelei" (wie er es selbst zu nennen pflegt) satt gewesen und wolle mit diesem Museum zeigen, dass es neben Ludwig II. auch noch andere bedeutende Wittelsbacher gegeben habe.


Ich hätte ja gerne die Quelle gepostet, darf ich aber nicht, weil ich hier neu bin.
Der Autor der Quelle bin ich übrigens selbst.

Maschenbauer

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